Die neue Langzeitversion ist da

Canonical hat am 23. April 2026 Ubuntu 26.04 LTS veröffentlicht. Der Codename lautet „Resolute Raccoon" – gewählt zu Ehren von Steve Langasek, einem langjährigen Ubuntu- und Debian-Releasemanager, der Anfang 2025 verstorben ist. „Resolute" – entschlossen – beschreibt den Charakter einer LTS-Version gut: Sie soll jahrelang stabil laufen, nicht an der Spitze des Neuen sein.

Als Long-Term Support-Version (LTS) richtet sich Ubuntu 26.04 vor allem an Nutzer, die alle zwei Jahre eine neue Version wählen und dazwischen Ruhe wollen. Sie erhält fünf Jahre kostenlose Sicherheitsupdates (bis April 2031) und mit Ubuntu Pro bis zu zehn Jahre.

Hinweis für Ubuntu-24.04-Nutzer: Ein direktes Upgrade von Ubuntu 24.04 LTS auf 26.04 LTS ist erst ab August 2026 möglich – dann, wenn die erste Punktversion 26.04.1 erscheint. Wer nicht warten möchte, kann eine Neuinstallation durchführen.

Was neu ist

GNOME 50 – und nur noch Wayland

Ubuntu 26.04 ist die erste LTS-Version ohne X11-Desktop-Sitzung. GNOME 50 liefert ausschließlich eine Wayland-Sitzung – das modernere, sicherere Grafiksystem. Wer ältere Programme hat, die Wayland nicht nativ unterstützen, kann sie weiterhin über XWayland nutzen – eine Kompatibilitätsschicht, die X11-Programme in einer Wayland-Umgebung ausführt. GNOME Terminal wurde durch Ptyxis ersetzt – einen schnelleren, GPU-beschleunigten Terminal mit modernem Erscheinungsbild.

Linux Kernel 7.0 und neue Standardprogramme

Unter der Haube läuft Linux Kernel 7.0 und der Grafikstack Mesa 26.0. Neue Standardprogramme: Showtime ersetzt den Videoplayer Totem, Resources ersetzt den Systemmonitor, GIMP wurde auf Version 3.2 aktualisiert. Aktuelle Versionen von Firefox (150), LibreOffice (25.8) und Thunderbird (140) sind ebenfalls enthalten.

Sicherheit: TPM-Verschlüsselung und Post-Quanten-Kryptografie

Die TPM-gestützte Festplattenverschlüsselung – bisher experimentell – ist nun offiziell stabil verfügbar. Das bedeutet: Der Verschlüsselungsschlüssel ist an den Hardware-Chip des Computers gebunden und muss nicht mehr beim Start eingegeben werden. Neu: Eine eigene Security-Center-App bündelt Sicherheitseinstellungen in einer Oberfläche. Post-Quanten-Kryptografie ist standardmäßig aktiviert – ein Vorgriff auf zukünftige Rechenleistungen, die klassische Verschlüsselung knacken könnten.

Rust: Kernkomponenten werden umgeschrieben

Canonical treibt das sogenannte Oxidation-Projekt voran: Systemwerkzeuge werden schrittweise in der Programmiersprache Rust neu geschrieben. Rust gilt als sicherer als das bisher verwendete C, weil bestimmte Klassen von Programmierfehlern, die zu Sicherheitslücken führen können, von der Sprache von vornherein verhindert werden. Für normale Nutzer ist das nicht spürbar – es ist Arbeit am Fundament.

App Center: Jetzt auch mit .deb-Paketen

Der App Center – Ubuntus grafischer Softwaremarkt – unterstützt nun neben Snap-Paketen auch klassische .deb-Pakete. Wer lieber traditionelle Pakete installieren möchte, kann das jetzt direkt über dieselbe Oberfläche tun. Beide Paketformate erscheinen gemeinsam in den Suchergebnissen.

Telemetrie: Opt-in für anonyme Nutzungsdaten

Ein neues Telemetrie-Panel in den Anzeigeeinstellungen ermöglicht es, anonyme Systemdaten an Canonical zu senden – das „Ubuntu Insights"-System. Die Teilnahme ist freiwillig (Opt-in), also nur aktiv, wenn man es bewusst einschaltet. Wer nichts tut, sendet nichts.


Was überzeugt – und was nicht

Was gut ist

  • Fünf Jahre Support ohne Aufpreis – für alle, die Ruhe wollen und nicht alle sechs Monate updaten möchten, ist das der entscheidende Vorteil einer LTS-Version.
  • Wayland als Standard ist ein überfälliger Schritt. Das modernere Grafiksystem ist sicherer, besser für Multi-Monitor-Setups, hochauflösende Bildschirme und Touchscreens geeignet – und mit XWayland ist die Rückwärtskompatibilität für ältere Programme gewährleistet.
  • TPM-Verschlüsselung stabil – wer seine Daten sichern möchte, ohne bei jedem Start ein langes Passwort eingeben zu müssen, hat jetzt eine ausgereifte Lösung.
  • Rust-Unterbau – langfristig weniger Angriffsfläche durch sicherere Systemkomponenten.
  • App Center mit .deb-Unterstützung – ein echter Schritt in die richtige Richtung, der die jahrelange Snap-oder-nichts-Kritik zumindest teilweise adressiert.

Was kritisch zu sehen ist

Das vollständige Entfernen von X11: Dass Ubuntu 26.04 die erste LTS-Version ohne X11-Desktop-Sitzung ist, halten manche für einen zu radikalen Schnitt. Bestimmte ältere Programme, Remote-Desktop-Lösungen und Spezialwerkzeuge kommen mit Wayland noch nicht vollständig zurecht – auch wenn XWayland vieles abfängt. Wer auf solche Software angewiesen ist, sollte vor dem Upgrade prüfen, ob sie unter Wayland funktioniert.

NVIDIA auf Wayland: Bekannte Probleme beim Aufwachen aus dem Energiesparmodus auf manchen NVIDIA-Systemen sind zum Release noch nicht vollständig gelöst. NVIDIA-Nutzer sollten vor dem Upgrade nachschauen, ob ihre Karte betroffen ist.

Snap und der App Center: Snap – Canonicals proprietäres Paketformat – ist weiterhin tief in Ubuntu integriert und der primäre Weg im App Center. Das sorgt seit Jahren für Diskussionen: Snap-Pakete starten langsamer als klassische .deb-Pakete, der Snap Store ist ein zentralisierter Dienst von Canonical (kein freies, dezentrales System), und Canonical kontrolliert allein, was dort veröffentlicht wird. Die Ergänzung um .deb-Unterstützung im App Center ist ein Fortschritt – aber Snap bleibt die bevorzugte Methode. Wer Snap grundsätzlich ablehnt, ist bei Linux Mint oder LMDE 7 besser aufgehoben: Beide Distributionen blockieren Snap aktiv und nutzen ausschließlich klassische Pakete.

Höhere Mindestanforderungen: Ubuntu 26.04 empfiehlt 6 GB RAM und 25 GB Speicherplatz – mehr als frühere Versionen. Ältere oder schwächere Hardware ist besser mit einer leichtgewichtigen Variante wie Xubuntu oder Lubuntu bedient.

Kein direktes Upgrade von 24.04 bis August: Wer Ubuntu 24.04 LTS nutzt und auf 26.04 wechseln möchte, muss bis August 2026 warten – erst dann wird der Upgrade-Pfad offiziell freigegeben. Eine Neuinstallation ist vorher möglich, aber mit mehr Aufwand verbunden.

Ubuntu MATE und Ubuntu Unity ohne LTS: Beide Varianten haben in dieser Version aufgrund von Personalmangel keinen LTS-Status erhalten. Nutzer dieser Geschmacksrichtungen sollten prüfen, ob eine Migration auf eine andere Variante sinnvoll ist.


Für wen eignet sich Ubuntu 26.04?

Ubuntu 26.04 LTS ist eine solide Wahl für alle, die eine große, gut dokumentierte Linux-Distribution mit langem Support wollen und mit GNOME und Snap grundsätzlich einverstanden sind. Besonders für Server, Entwicklermaschinen und Nutzer, die Stabilität über Aktualität stellen.

Für Windows-Umsteiger, die Linux zum ersten Mal ausprobieren möchten, ist Ubuntu eine mögliche Wahl – aber nicht unbedingt die einsteigerfreundlichste. GNOME 50 unterscheidet sich stärker von Windows als die Cinnamon-Oberfläche von Linux Mint. Wer eine vertrautere Oberfläche sucht und Snap lieber meiden möchte, findet in Linux Mint 22 oder LMDE 7 eine zugänglichere Alternative.

Ubuntu 26.04 herunterladen Linux Mint 22 als Alternative