Was ist LMDE 7 – und für wen ist es geeignet?

Linux Mint gibt es in zwei Varianten: die weitaus bekanntere Variante basiert auf Ubuntu, LMDE 7 „Gigi" hingegen basiert direkt auf Debian 13 „Trixie". Beide sehen gleich aus und lassen sich genauso bedienen – der Unterschied liegt im Unterbau. LMDE 7 ist etwas konservativer: neue Software erscheint etwas später, dafür ist das System besonders stabil und hat keine Abhängigkeit von Canonical, dem Unternehmen hinter Ubuntu.

Wenn Sie nicht sicher sind, welche Variante für Sie passt, lesen Sie den Vergleich: LMDE 7 vs. Linux Mint 22. Für absolute Einsteiger ist Linux Mint 22.3 oft etwas zugänglicher – die Installationsanleitung dafür finden Sie hier.


Schritt 0: Backup – zuerst lesen

Bitte vollständig lesen, bevor Sie irgendetwas anderes tun. Die Installation eines Betriebssystems ist ein tiefer Eingriff in Ihren Computer. Im schlimmsten Fall – durch einen Bedienfehler, Stromausfall oder technisches Problem – können alle gespeicherten Daten unwiederbringlich verloren gehen: Dokumente, Fotos, Videos, E-Mails. Alles weg.

Option A: Einzelne Dateien sichern (einfach und schnell)

Kopieren Sie alle wichtigen Dateien auf eine externe Festplatte, einen USB-Stick oder in einen Cloud-Dienst (OneDrive, Google Drive, Dropbox):

  • Dokumente (Ordner „Dokumente" bzw. „Eigene Dateien")
  • Fotos und Videos (Ordner „Bilder", „Videos")
  • Downloads (prüfen, ob dort wichtige Dateien liegen)
  • Browser-Lesezeichen (im Browser exportieren: Datei → Lesezeichen exportieren)
  • E-Mail-Daten (bei Outlook: Datei → Öffnen und Exportieren → Importieren/Exportieren)
  • Passwörter (aus dem Browser oder Passwort-Manager exportieren)

Option B: Vollständiges Systemabbild erstellen – empfohlen

Ein „Image" ist eine 1:1-Kopie Ihrer gesamten Festplatte – wie eine Fotografie. Damit können Sie Ihren Computer im Notfall exakt so wiederherstellen, wie er vorher war: mit Windows, allen Programmen und allen Einstellungen.

Für ein vollständiges Systemabbild bietet Windows selbst eine eingebaute Sicherungsfunktion: Einstellungen → Update und Sicherheit → Sicherung → Systemabbild erstellen. Diese ist kostenlos und ohne zusätzliche Software nutzbar.

Wichtig: Das Image muss auf einem externen Datenträger gespeichert werden – niemals auf derselben Festplatte, die Sie sichern möchten.

Besonderheit: BitLocker-Verschlüsselung

Falls Ihre Windows-Festplatte mit BitLocker verschlüsselt ist (erkennbar am Schloss-Symbol im Datei-Explorer), notieren Sie sich unbedingt Ihren BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel. Diesen finden Sie in Ihrem Microsoft-Konto unter account.microsoft.com/devices/recoverykey. Bei einem Dual-Boot-System kann Windows nach der LMDE-Installation diesen Schlüssel abfragen.


Schritt 1: LMDE 7 herunterladen

  1. Öffnen Sie die offizielle Download-Seite: linuxmint.com/download_lmde.php
  2. Es gibt nur eine Desktop-Variante (Cinnamon) – klicken Sie auf einen Download-Mirror, zum Beispiel einen deutschen oder europäischen Server.
  3. Es wird eine Datei mit der Endung .iso heruntergeladen – etwa 2,6 GB groß.
Was ist eine ISO-Datei? Eine ISO-Datei ist eine digitale Version einer DVD. Sie enthält das komplette Betriebssystem. Um sie zu nutzen, müssen Sie sie auf einen USB-Stick übertragen – nicht einfach hineinkopieren, sondern mit einem speziellen Programm „schreiben". Das erklärt Schritt 2.

Schritt 2: Bootfähigen USB-Stick erstellen

Sie benötigen einen USB-Stick mit mindestens 4 GB Speicher. Alle Daten auf dem Stick werden dabei gelöscht – sichern Sie diese vorab.

  1. Laden Sie Rufus herunter (kostenlos, keine Installation nötig): rufus.ie
  2. Schließen Sie Ihren USB-Stick an den Computer an.
  3. Starten Sie Rufus durch Doppelklick. Das Programm erkennt den USB-Stick automatisch – prüfen Sie, ob der richtige Stick ausgewählt ist.
  4. Bei „Boot-Auswahl" klicken Sie auf „Auswählen" und wählen die heruntergeladene ISO-Datei.
  5. Einstellungen für moderne Computer (nach 2012): Partitionsschema = GPT, Zielsystem = UEFI (nicht CSM)
  6. Klicken Sie auf „Start" und bestätigen Sie die Warnung, dass alle Daten auf dem Stick gelöscht werden.
  7. Warten Sie, bis Rufus „Bereit" meldet.

Schritt 3: LMDE 7 ausprobieren – ohne zu installieren

Auch LMDE 7 lässt sich vollständig ausprobieren, ohne es zu installieren – das System startet direkt vom USB-Stick (sogenanntes „Live-System"). Nichts an Ihrem Computer wird verändert.

Computer vom USB-Stick starten

Starten Sie den Computer neu und drücken Sie – sobald der Bildschirm dunkel wird oder das Herstellerlogo erscheint – wiederholt die Boot-Menü-Taste Ihres Herstellers:

HerstellerBoot-Menü-Taste
LenovoF12 oder F11
DellF12
HPF9 oder Esc
AcerF12
ASUSF8 oder Esc
MSIF11
Microsoft SurfaceLauter-Taste beim Einschalten gedrückt halten

Wählen Sie im Boot-Menü Ihren USB-Stick aus. LMDE 7 unterstützt Secure Boot – Sie müssen es in der Regel nicht deaktivieren.

Was Sie im Live-System testen sollten

  • WLAN: Symbol unten rechts in der Taskleiste – verbinden Sie sich und surfen Sie kurz.
  • Ton: Wird Ton abgespielt?
  • Bildschirm: Stimmt die Auflösung?
  • Tastatur: Funktionieren Umlaute und Sonderzeichen?
  • Dokumente: Öffnen Sie eine Ihrer Dateien mit LibreOffice.
Hinweis zu NVIDIA: Das System läuft im Live-System mit dem freien Nouveau-Treiber, der für normale Desktop-Nutzung ausreicht. Falls die Auflösung nicht stimmt, lässt sich das meist über Systemeinstellungen → Bildschirm anpassen. Proprietäre NVIDIA-Treiber müssen nach der Installation manuell eingerichtet werden.

Schritt 4: LMDE 7 installieren

Letzte Erinnerung: Stellen Sie sicher, dass Ihr Backup vollständig und auf einem externen Datenträger gespeichert ist, bevor Sie fortfahren.

Doppelklicken Sie auf dem Desktop auf das Symbol „Linux Mint installieren". Das Installationsprogramm startet.

4.1 – Sprache und Tastatur

Wählen Sie Deutsch als Sprache. Wählen Sie anschließend das passende Tastaturlayout – in Deutschland in der Regel Deutsch. Mit dem kleinen Testfeld können Sie prüfen, ob alle Tasten korrekt belegt sind.

4.2 – Updates und Software von Drittanbietern

Aktivieren Sie beide Optionen:

  • „Aktualisierungen beim Installieren herunterladen" – lädt direkt die neuesten Korrekturen
  • „Software von Drittanbietern für Grafik- und WLAN-Hardware installieren" – stellt sicher, dass mehr Hardware sofort funktioniert

4.3 – Installationsart (der wichtigste Schritt)

Option A: Neben Windows (Dual-Boot)

Windows bleibt vollständig erhalten. Beim Start erscheint ein Auswahlmenü. Empfehlung: Geben Sie LMDE 7 mindestens 30 GB, besser 50 GB.

Wählen Sie: „LMDE neben Windows installieren"

Hinweis: Falls Ihre Windows-Partition mit BitLocker verschlüsselt ist, kann Windows danach den Wiederherstellungsschlüssel abfragen – halten Sie ihn bereit (siehe Schritt 0).

Option B: LMDE 7 als einziges System

Löscht alles auf Ihrer Festplatte und richtet LMDE 7 als einziges System ein. Sinnvoll, wenn Sie Windows nicht mehr benötigen.

Wählen Sie: „Festplatte löschen und LMDE installieren"

Option C: Manuelle Partitionierung

Nur für Fortgeschrittene, die wissen, was Partitionen sind. Für Einsteiger nicht empfohlen.

4.4 – Zeitzone

Wählen Sie Ihre Stadt auf der Karte aus (z. B. Berlin für Deutschland).

4.5 – Benutzerkonto einrichten

  • Name: Ihr vollständiger Name
  • Computername: Ein Name für Ihren Computer, ohne Leerzeichen (z. B. „Laptop-Zuhause")
  • Benutzername: Nur Kleinbuchstaben, keine Leerzeichen (z. B. „anna")
  • Passwort: Ein sicheres Passwort – wird beim Anmelden und beim Installieren von Software benötigt. Anders als Windows erfordert LMDE bei systembezogenen Änderungen immer eine Bestätigung, was die Sicherheit erhöht.

4.6 – Installation starten und Neustart

Klicken Sie auf „Jetzt installieren" und bestätigen Sie die Sicherheitsabfrage. Die Installation dauert 10–30 Minuten. Bei Laptops empfiehlt sich der Betrieb mit Netzteil. Am Ende: USB-Stick entfernen, auf „Jetzt neu starten" klicken.


Schritt 5: Erste Schritte nach der Installation

System aktualisieren

Öffnen Sie den Update-Manager (Schild-Symbol in der Taskleiste) und installieren Sie alle vorgeschlagenen Updates. Das kann beim ersten Mal etwas länger dauern.

NVIDIA-Grafikkarte (falls vorhanden)

Hat Ihr Computer eine NVIDIA-Grafikkarte, läuft das System nach der Installation mit dem freien Nouveau-Treiber – dieser ist für normale Desktop-Nutzung (Surfen, Dokumente, Videos) ausreichend. Wer 3D-Leistung oder Gaming benötigt, muss den proprietären NVIDIA-Treiber manuell über das Terminal nachinstallieren. Suchen Sie dazu im Internet nach „LMDE 7 NVIDIA Treiber installieren".

Software installieren

Öffnen Sie den Software-Manager aus dem Startmenü – tausende kostenlose Programme per Klick installierbar.

Fingerabdruckleser einrichten (neu in LMDE 7)

Falls Ihr Laptop einen Fingerabdruckleser hat: Systemeinstellungen → Benutzer. LMDE 7 unterstützt diesen jetzt direkt.


LMDE 7 vs. Linux Mint 22.x – auf einen Blick

EigenschaftLinux Mint 22.xLMDE 7
BasisUbuntu 24.04 LTSDebian 13 „Trixie"
OberflächeCinnamon (identisch)Cinnamon (identisch)
Software-AktualitätSehr aktuellEtwas konservativer
NVIDIA-TreiberVorinstalliertNachinstallierbar
Snap-PaketeBlockiertNicht vorhanden
32-Bit-SupportJaNein
Support bisApril 2029Ca. 3 Jahre ab Release

Anleitungen und Community-Hilfe, die für Linux Mint 22.x geschrieben wurden, funktionieren in den meisten Fällen auch für LMDE 7 – da beide auf denselben DEB-Paketen basieren und dieselbe Benutzeroberfläche haben.


Häufige Fragen

Kann ich meine Windows-Dateien noch lesen?

Ja, wenn Sie Dual-Boot gewählt haben. LMDE 7 kann Windows-Partitionen lesen. Öffnen Sie den Dateimanager – dort finden Sie die Windows-Festplatte unter „Geräte".

Wie komme ich wieder zu Windows?

Beim Start erscheint ein Auswahlmenü (GRUB), in dem Sie zwischen LMDE 7 und Windows wählen. Falls GRUB nicht erscheint, drücken Sie beim Start die Leertaste oder Shift-Taste.

Was ist der Unterschied zu Snap-Paketen?

Unter LMDE 7 werden Programme ausschließlich über APT installiert – das klassische Debian-Paketsystem. Snap ist in LMDE 7 nicht vorhanden. Programme starten schneller und lassen sich besser anpassen.

Kann ich Word-Dokumente öffnen?

LibreOffice ist vorinstalliert und öffnet .docx-, .xlsx- und .pptx-Dateien. In den meisten Fällen funktioniert das sehr gut; bei komplexen Formatierungen kann es gelegentlich kleine Abweichungen geben.

Mein Drucker funktioniert nicht – was tun?

Öffnen Sie Systemeinstellungen → Drucker. Falls der Drucker nicht erscheint, suchen Sie nach „[Hersteller und Modell] Linux Debian" oder schauen Sie auf openprinting.github.io/printers.

Wo finde ich Hilfe?

Bei Problemen: Suchmaschine nutzen, dabei immer „LMDE 7" oder „Debian 13" mit angeben.

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