Was ist Linux Mint eigentlich?

Linux Mint ist eine Linux-Distribution, die sich seit Jahren einen Ruf als besonders einsteigerfreundliches System erarbeitet hat. Es gibt sie in zwei Varianten:

  • Linux Mint 22.3 „Zena" baut auf Ubuntu auf – der weltweit bekanntesten Linux-Distribution. Das bringt ein riesiges Softwareangebot und breite Hardwareunterstützung mit.
  • LMDE 7 „Gigi" (Linux Mint Debian Edition) basiert direkt auf Debian und bietet eine schlankere, stabilere Grundlage ohne Abhängigkeit vom Hersteller Canonical (dem Unternehmen hinter Ubuntu).

Beide Varianten sehen identisch aus, lassen sich gleich bedienen und nutzen dieselbe Benutzeroberfläche: Cinnamon. Diese Desktop-Umgebung wurde vom Linux-Mint-Team selbst entwickelt und hat sich zu einer der ausgereiftesten und nutzerfreundlichsten Oberflächen im Linux-Ökosystem entwickelt.


Was Linux Mint und Cinnamon richtig gut machen

Zwei Varianten für unterschiedliche Bedürfnisse

Wer die breite Kompatibilität und den großen Softwarepool von Ubuntu schätzt, ist bei Linux Mint 22.3 gut aufgehoben. Wer ein schlankes, stabiles System ohne Ubuntu-Abhängigkeit bevorzugt, findet in LMDE 7 eine hervorragende Alternative. Beide Varianten sehen identisch aus und lassen sich gleich bedienen – die Wahl zwischen ihnen ist eine technische Entscheidung unter der Haube, die den Alltag kaum beeinflusst.

Einfache Installation

Linux Mint lässt sich auch ohne Vorkenntnisse installieren. Der Assistent führt Schritt für Schritt durch den Prozess. Wer möchte, kann das System vorher vollständig im sogenannten Live-Modus testen – direkt vom USB-Stick, ohne etwas am Computer zu verändern. Das nimmt die Scheu vor dem Ausprobieren.

Sofort einsatzbereit

Nach der Installation ist Linux Mint kein leeres System. Browser, E-Mail-Programm, Office-Paket (LibreOffice), Mediaplayer und viele weitere Alltagswerkzeuge sind bereits dabei. Wer hauptsächlich surft, schreibt, E-Mails liest und Multimedia nutzt, muss kaum noch selbst nachinstallieren.

Multimedia-Codecs: unkompliziert

Bestimmte Audio- und Videoformate dürfen aus lizenzrechtlichen Gründen nicht direkt mitgeliefert werden. Bei Linux Mint 22.3 können die nötigen Codecs (Programme zur Wiedergabe dieser Formate) bereits während der Installation mit einem Häkchen aktiviert werden. Bei LMDE 7 lassen sie sich im Anschluss über den Software-Manager nachinstallieren – kein Problem, aber gut zu wissen.

Flatpak und Updates einheitlich verwalten

Flatpak ist ein modernes Verfahren, mit dem Anwendungen unabhängig von der verwendeten Linux-Distribution installiert werden können – ähnlich wie ein App-Store auf dem Smartphone. In Linux Mint ist es bereits eingerichtet und über den integrierten Software-Manager zugänglich.

Der Update-Manager zeigt System-Updates und Flatpak-Updates in einer einzigen Anwendung an und installiert beides mit einem Klick – kein Wechseln zwischen verschiedenen Programmen.

Timeshift: eingebautes Sicherheitsnetz

Timeshift erstellt regelmäßig „Schnappschüsse" des Systems – ähnlich wie Systemwiederherstellungspunkte unter Windows. Es ist vorinstalliert und mit wenigen Klicks eingerichtet. Wer nach einem fehlgeschlagenen Update das System auf einen früheren Zustand zurücksetzen möchte, kann das bequem über Timeshift tun – ohne Datenverlust, ohne Neuinstallation.

Treiberverwaltung mit grafischer Oberfläche

(Linux Mint 22.3) Ein häufiges Problem bei Linux war lange die Installation proprietärer Treiber – also Treiber, die Hersteller wie NVIDIA oder AMD nicht als Open Source bereitstellen. Linux Mint 22.3 löst das elegant: Die Treiberverwaltung zeigt übersichtlich an, welche Treiber verfügbar sind, und installiert sie mit einem Klick.


Was noch fehlt oder verbessert werden könnte

LMDE 7: Keine grafische Treiberverwaltung

Was Linux Mint 22.3 so überzeugend macht, fehlt bei LMDE 7: die grafische Treiberverwaltung. Wer unter LMDE 7 einen proprietären NVIDIA-Treiber installieren möchte, muss das über die Kommandozeile tun oder sich selbst durch die Dokumentation arbeiten. Für technisch versierte Nutzer kein großes Hindernis – für Einsteiger oder Windows-Umsteiger ist es eine unnötige Hürde. Eine grafische Treiberverwaltung auch für LMDE wäre ein naheliegender Schritt.

Wayland: In Arbeit, bald bereit

Die grafische Darstellung unter Linux basiert auf zwei konkurrierenden Systemen: dem älteren X11 und dem neueren Wayland. Wayland gilt als moderner, sicherer und besser geeignet für aktuelle Hardware – insbesondere für Systeme mit mehreren Monitoren, hochauflösenden Displays und Touchscreens.

Cinnamon unterstützt Wayland in aktuellen Linux-Mint-Versionen noch nicht vollständig als Standard – der Betrieb läuft auf X11. Allerdings ist der Stand der Dinge deutlich fortgeschrittener als noch vor einem Jahr: Im März 2026 hat das Mint-Team den letzten fehlenden Hauptbaustein für Wayland-Unterstützung – den Bildschirmschoner – fertiggestellt. Linux Mint 23, das für Weihnachten 2026 geplant ist, wird voraussichtlich vollständige und stabile Wayland-Unterstützung mitbringen. Das Mint-Team ist dabei bewusst konservativ vorgegangen und hat lieber auf Stabilität gesetzt, als halbfertige Lösungen auszuliefern – was zu begrüßen ist, die Modernisierung aber verlangsamt hat.

Verschlüsselter Dual-Boot: Noch kein Selbstläufer

Wer Linux Mint parallel zu Windows installieren und dabei gleichzeitig eine verschlüsselte Linux-Partition einrichten möchte, braucht derzeit noch technisches Hintergrundwissen. Ein wirklich intuitiver Assistent, der absolute Laien sicher durch einen verschlüsselten Dual-Boot-Aufbau führt, fehlt noch.

Installation: Keine Auswahl vordefinierter Softwarepakete

Wer Linux Mint installiert, bekommt immer dieselbe Standardauswahl an Programmen. Es wäre wünschenswert, direkt bei der Installation aus Profilen wählen zu können – zum Beispiel: eine minimale Basis für alle, die selbst entscheiden wollen, was installiert wird; oder spezialisierte Zusammenstellungen für Multimedia-Bearbeitung, Grafik oder Gaming. Andere Linux-Distributionen bieten das bereits, Linux Mint würde davon profitieren.

Cinnamon: Fensterpositionen werden nicht dauerhaft gespeichert

Wer bestimmte Programme immer an derselben Stelle auf dem Bildschirm öffnen möchte, ist unter Windows oder macOS daran gewöhnt, dass das System diese Präferenzen speichert. Cinnamon fehlt eine zuverlässige, systemweite Funktion dafür. Wer seinen Browser immer links und sein Textprogramm immer rechts haben möchte, muss das nach jedem Start manuell herstellen oder auf Zusatz-Applets zurückgreifen – ein spürbarer Komfortverlust im Alltag.

Cinnamon: Optisch solide, aber etwas bieder

Cinnamon ist funktional ausgereift und zuverlässig. Es fühlt sich vertraut an – besonders für Nutzer, die von Windows kommen. Doch optisch bleibt es eher konservativ. Wer das System visuell anpassen möchte, ohne Drittanbieter-Erweiterungen zu installieren, stößt schnell an Grenzen. Konkret fehlt nativ:

  • Transparenzen für Leisten und Menüs – würden Cinnamon sofort moderner wirken lassen
  • Außenabstände für das Panel (ein kleiner Abstand zwischen Leiste und Bildschirmrand) – in KDE oder GNOME längst Standard, in Cinnamon nicht vorgesehen
  • Abgerundete Ecken bei Leisten und Menüs – Fenster haben oben bereits abgerundete Ecken, aber die Taskleiste und das Startmenü bleiben eckig; Windows 11, GNOME und KDE zeigen hier ein moderneres Bild
  • Einfaches Duplizieren von Panels bei mehreren Monitoren – wer mit zwei Bildschirmen arbeitet, muss jede Leiste vollständig manuell einrichten; ein Klick auf „Leiste duplizieren" wie in KDE, oder die automatische Übernahme wie in Windows 11, fehlt

Das ist kein Grundsatzproblem – viele dieser Punkte lassen sich durch Erweiterungen nachrüsten. Aber für eine Distribution, die sich ausdrücklich an Einsteiger richtet, wäre es wünschenswert, wenn mehr davon direkt eingebaut wäre. Der erste Eindruck zählt: Wer von Windows 11 mit abgerundeten Fenstern und halbtransparenten Leisten kommt, könnte beim ersten Blick auf ein frisch installiertes Cinnamon enttäuscht sein – obwohl Linux Mint technisch und konzeptionell vieles besser macht als Windows.

Benutzerverwaltung: Zu einfach gehalten

Die integrierte Benutzerverwaltung von Cinnamon erfüllt die Grundbedürfnisse: Benutzer anlegen, Passwort setzen, Administratorrechte vergeben. Wer mehr möchte, stößt jedoch schnell an Grenzen. Das verschlüsselte Home-Verzeichnis für einzelne Benutzer – also das automatische Absichern der persönlichen Daten eines Nutzers – lässt sich grafisch nicht einrichten. Auch das Anlegen von Konten ohne Anmeldemöglichkeit ist über die grafische Oberfläche nicht möglich. Beides erfordert die Kommandozeile. Hier hätte eine erweiterte, aber trotzdem einfach bedienbare Benutzerverwaltung echten Mehrwert.


Fazit

Linux Mint mit der Cinnamon-Oberfläche ist eine der ausgereiftesten und einladendsten Linux-Distributionen für Einsteiger und Umsteiger. Die Kombination aus einfacher Installation, sofortiger Einsatzbereitschaft, einheitlicher Software- und Update-Verwaltung sowie Timeshift als eingebautem Sicherheitsnetz macht den Alltag angenehm unkompliziert. Dass es die Distribution sowohl auf Ubuntu- als auch auf Debian-Basis gibt, ist ein echter Vorteil für unterschiedliche Bedürfnisse.

Die genannten Schwächen sind keine K.-o.-Kriterien – sie zeigen, wo noch Entwicklungspotenzial besteht. Insbesondere die fehlende Treiberverwaltung in LMDE, die eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten in Cinnamon und die schwache Benutzerverwaltung sind Punkte, bei denen andere Desktops wie KDE Plasma bereits weiter sind. Die vollständige Wayland-Unterstützung hingegen ist mit Linux Mint 23 (geplant Sommer/Herbst 2026) zum Greifen nah.

Linux Mint setzt bewusst auf Stabilität vor Innovation – das ist eine nachvollziehbare Strategie, die vor allem Einsteigern zugute kommt. Wer aber mitgewachsen ist und mehr Kontrolle und Flexibilität möchte, wünscht sich manchmal etwas mehr.

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